Synthetische Cannabinoide

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Die Natur bietet sehr viele interessante und sehr wirksame Stoffe. Oft ist es aber sehr schwer, an diese Wirkstoffe zu gelangen. Ein Grund dafür kann sein, dass eine Pflanze vielleicht geschützt wurde und es nicht erlaubt ist, sie einfach zu pflücken. Oft werden solche Pflanzen dann speziell für die Verwendung gepflanzt und unter strenger Kontrolle gezüchtet. Dadurch werden Wirkstoffe aber sehr teuer. Das ist einer der Gründe, warum häufig versucht wird, einen Wirkstoff synthetisch herzustellen. Ein anderer Grund ist, dass es sich bei der Pflanze um eine illegale Pflanze handelt, die nicht einfach angebaut und genutzt werden kann. In dem Fall wird ebenfalls gerne auf synthetische Wirkstoffe ausgewichen. Mittlerweile werden auch Cannabinoide aus der Hanfpflanze synthetisch hergestellt. Viele werden sicher darüber erfreut sein, weil sie hoffen, dass diese synthetisch hergestellten Cannabinoide vielleicht einfacher zu bekommen sind als beispielsweise Marihuana. So einfach ist es aber doch nicht. In unserem Ratgeber erfahren Sie alles zum Thema synthetische Cannabinoide.

Synthetische Cannabinoide – Ursprung in der medizinischen Forschung

Ursprünglich stammen synthetische Cannabinoide aus der medizinischen Forschung. Die Substanzen, die während der Entwicklung entstanden, wirken teilweise um ein Vielfaches stärker als es natürlicher Cannabis jemals könnte. In den 1960er Jahren wurde der Cannabiswirkstoff THC entschlüsselt, damit begann die Forschung rund um die Wirkstoffe der Cannabispflanze. Kurz danach stellten Forscher fest, dass der Körper auch selbst eigene Cannabinoide produziert. Es wurden auch spezielle Rezeptoren entdeckt, die Einfluss nehmen auf viele unterschiedliche Körperfunktionen. Damit hatten es die Forscher geschafft, das Endocannabinoid-System zu entdecken. Diese Entdeckung des Endocannabinoid-Systems hatte aber auch einen Einfluss auf die pharmakologische Forschung, der sich nun ein komplett neues Feld eröffnete. Fortan befassten sich die Forscher damit, künstliche Wirkstoffe zu entwickeln. Zu der Zeit hatten sie die Hoffnung, dass die synthetischen Cannabinoide für verschiedene medizinische Zwecke genutzt werden können, beispielsweise in der Schmerzbehandlung oder bei der Behandlung von Epilepsie. Im Fokus der Forschung stand das Ziel, Wirkstoffe zu entwickeln, die bestimmte medizinische Effekte erzielen können, aber nicht die psychoaktiven Wirkungen haben, die für Cannabis typisch sind.

Was sind synthetische Cannabinoide?

Bei synthetischen Cannabinoiden handelt es sich um chemische Substanzen, die in einem Labor hergestellt werden. Sie ahmen die Wirkung des natürlichen THCs nach und lösen somit ebenfalls einen Rausch aus. Problematisch ist aber, dass sie in vielen Fällen sehr viel stärkere Effekte als THC auslösen, die zudem sehr unangenehm sein können. Es ist durchaus möglich, dass Vergiftungserscheinungen auftreten. Diese Erscheinungen können von Verwirrung und Halluzinationen bis hin zu akuten Psychosen führen. Möglich ist aber auch, dass das Herz-Kreislaufsystem beeinträchtigt wird, dabei kann es zu lebensbedrohlichen Situationen kommen. Ein Herzinfarkt kann die Folge davon sein.

Genutzt werden die synthetischen Cannabinoide für gewöhnlich, indem sie auf CBD-haltiges Cannabis gesprüht oder auch mit Haschisch vermischt werden. Werden synthetische Cannabinoide auf die Blüten der Hanfpflanze aufgesprüht, ist es so gut wie unmöglich, die Substanz gleichmäßig zu verteilen. Die Folge davon ist, dass einige Blüten eine sehr hohe Konzentration dieser synthetischen Cannabinoide aufweisen und andere gar nichts davon abbekommen haben. Problematisch ist auch, dass es für Konsumenten nicht möglich ist zu erkennen, ob das Cannabis mit synthetischen Cannabinoiden behandelt wurde oder es sich um herkömmliches Gras handelt. Weder Aussehen noch Geruch lassen das erkennen. Lediglich durch eine ausführliche chemische Analyse oder auch ein Drug Checking ist es möglich, diese Inhaltsstoffe eindeutig nachweisen zu können. Der Verkauf von Cannabis ist illegal, dennoch wird es verkauft. Die Konsumenten machen sich damit nicht nur strafbar, sie begeben sich auch in große Gefahr. Da es sich um eine illegale Substanz handelt, werden die Cannabisprodukte natürlich auch keinerlei Prüfung unterzogen. Der Konsument weiß nie genau, was er bekommt. Verkäufer informieren ihre Kunden für gewöhnlich nicht darüber, dass es sich um ein chemisch verändertes Produkt handelt. Oft ist es ihnen selbst gar nicht bekannt. Somit erfahren viele Konsumenten erst viel zu spät und auf die schmerzhafte Art, welche unberechenbaren Wirkungen mit synthetischen Cannabinoiden versetztes Cannabis haben kann.

Schon vor einigen Jahren wurden synthetische Cannabinoide unter verschiedenen Namen bekannt, beispielsweise wurden sie als „Badesalz“ bezeichnet, auch Bezeichnungen wie „Legal Highs“ oder „Kräutermischung“ werden für diese chemischen Substanzen genutzt. Der Erwerb von synthetisch hergestellten Cannabinoiden, die aus illegalen Laboren stammen, ist natürlich ebenfalls verboten. Diese Substanzen fallen unter das sogenannte „Neue Psychoaktive Substanzen-Gesetz“, kurz NpSG. Dies besagt, dass nicht nur einzelne Substanzen verboten sind, sondern gleich ganze Gruppen von Substanzen.

Illegale Vermarktung von synthetischen Cannabinoiden

Die medizinische Forschung war nicht untätig, in rund 20 Jahren konnten mehr als 450 verschiedene Varianten an synthetischen Cannabinoiden hergestellt werden. Sie haben unterschiedliche Bezeichnungen und werden für gewöhnlich nach ihrem Erfinder benannt. Für die Ergebnisse der Studien dazu, die in wissenschaftlichen Magazinen veröffentlicht wurden, interessierten sich aber nicht nur fachkundige Leser. Das Wissen, das sich Forscher in vielen Jahren angeeignet haben, wird jetzt von illegalen Laboren genutzt, um synthetische Cannabinoide herzustellen und diese zu vermarkten.

Besonders gut ist den meisten, die sich damit auskennen, eine Kräutermischung mit dem Namen „Spice“ in Erinnerung. Diese sorgte 2008 für großes Aufsehen. Angeblich sollte es sich dabei um harmlose Kräuter handeln, allerdings erzeugten sie einen Rausch, der dem von Cannabis sehr ähnlich war. Das war den Forschern ein Rätsel, es konnte zunächst nicht festgestellt werden, warum die Kräuter diese Wirkung haben. Ein Forschungsteam aus Deutschland unternahm schließlich einen Selbstversuch, bei dem die Testpersonen nach dem Konsum einer Marke dieser Kräutermischung nicht nur gerötete Augen hatten, sondern auch Stimmungs- und Wahrnehmungsveränderungen feststellten. Anders gesagt fühlten sich die Testpersonen, als wenn sie einen Joint geraucht hätten. Ein Labor konnte schließlich nachweisen, dass in „Spice“ nicht nur Kräuter enthalten waren, sondern auch zwei synthetische Cannabinoide. Daraufhin wurden die beiden Substanzen in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen und „Spice“ für illegal erklärt. Das zeigt, wie gefährlich etwas sein kann, das eigentlich ganz harmlos aussieht.

Natürlich nahmen das die illegalen Labore nicht einfach hin, sie veränderten ganz einfach die chemische Struktur der synthetischen Cannabinoide ein wenig und schon konnten sie das Betäubungsmittelgesetz umgehen.

Synthetische Cannabinoide – ihre Wirkung ist weitaus stärker

Eine stärkere Wirkung, auch bei dieser Nachricht werden viele Konsumenten jubeln, aber dieser Jubel sollte sich besser in Grenzen halten. Es ist so, dass alle synthetischen Cannabinoide, die zu Rauschzwecken verkauft werden, kein CBD enthalten. Forscher konnten im Rahmen von dazu durchgeführten Studien Hinweise darauf finden, dass synthetische Cannabinoide eine sehr hohe Bindungskraft an den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems haben können. Das bedeutet, dass der Rausch sehr viel schneller einsetzt und intensiver ist. Die Dauer der Wirkung liegt häufig bei unter acht Stunden, er kann aber auch länger als 24 Stunden dauern.

Ein weiteres großes Problem dabei ist, dass kein Konsument feststellen kann, welches der vielen hundert synthetischen Cannabinoide in einem illegalen Produkt enthalten ist. Sie haben alle eine unterschiedliche Wirkung. Einige haben eine ähnliche Wirkung wie THC, es gibt aber auch synthetische Cannabinoide, die bis zu 100-mal stärker wirken. Es ist nicht möglich, gezielt zu dosieren, das führt dazu, dass Risiken so gut wie gar nicht kalkuliert werden können.

Überdosierung von synthetischen Cannabinoiden mit fatalen Folgen

Schon der Konsum einer vermeintlich „normalen“ Menge an synthetischen Cannabinoiden kann zu schwerwiegenden Folgen führen. Noch schlimmer wird es, wenn es zu einer Überdosierung kommt. Bei natürlich vorkommenden Formen von THC ist es sehr unwahrscheinlich, dass es zu einer Überdosierung kommt. Es gibt einige wissenschaftliche Untersuchungen, die das zeigen. Grund dafür ist, dass der eigentliche Cannabiswirkstoff ∆9-THC lediglich als sogenannter partieller Agonist am Rezeptor wirkt. Dadurch kann er auch nur eine begrenzte Wirkung auslösen. Synthetische Cannabinoide wirken dagegen als Vollagonisten, das bedeutet, sie aktivieren die Signalwege in vollem Umfang. Die Folge davon können schwere Nebenwirkungen sein, beispielsweise können Psychosen auftreten, die mit schweren Krampfanfällen, Herzrasen, Ohnmacht, Bluthochdruck und auch sehr aggressivem, gewalttätigem Verhalten einhergehen können. Problematisch ist ebenfalls, dass ein starkes Verlangen entsteht, gleich wieder synthetische Cannabinoide nachzulegen. Durch die ungleichmäßige Verteilung des Wirkstoffs steigt das Risiko für Überdosierungen zudem erheblich.

Es ist aber auch möglich, dass synthetische Cannabinoide nicht nur eine Wirkung auf das Endocannabinoid-System haben, sondern auch auf andere Rezeptortypen, beispielsweise Dopamin- oder Serotoninrezeptoren. Dadurch kann es ebenfalls zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

In den letzten Jahren wurden immer mehr Fälle bekannt, die auf eine Überdosierung von synthetischen Cannabinoiden zurückzuführen sind. Oft sind es nicht einmal die direkten Wirkungen auf den Körper, die das Problem darstellen, sondern die Verhaltensweisen, die Konsumenten nach dem Konsum zeigen. Es gibt einige Betroffene, die sogar an diesen Folgen verstorben sind. Einige Menschen rasten nach dem Konsum von synthetischen Cannabinoiden völlig aus, sie zerstören Mobiliar und verletzen sich selbst. In den USA gibt es Berichte über ganze Gruppen von Menschen, die zombieähnlich durch die Straßen gelaufen sind. Es konnte nachgewiesen werden, dass sie ein synthetisches Cannabinoid konsumiert hatten, dessen Wirkung 85-mal stärker ist als die Wirkung von THC.

Es gibt auch Fälle, bei denen ein Kaliummangel festgestellt wurde. Kalium ist sehr wichtig für viele Funktionen des Körpers. Bei einem Kaliummangel kann es zu Müdigkeit und Muskelschwäche kommen, es können aber auch Herzrhythmusstörungen auftreten. Eine Untersuchung von Konsumenten, die notfallmedizinisch behandelt werden mussten, zeigte zudem, dass sie häufig ein aggressives Verhalten haben und unter Bluthochdruck und starker Übelkeit litten. Es gibt viele Berichte, besonders aus den USA, die zeigen, dass der Konsum von synthetischen Cannabinoiden wirklich lebensgefährlich sein kann.

Die Gefahr einschätzen – absolut nicht möglich

Synthetische Cannabinoide haben eine ähnliche Wirkung wie Cannabis, ohne aus der Hanfpflanze zu stammen. Ihre Herstellung erfolgt chemisch, und genau das macht sie so gefährlich. Es gibt Hinweise darauf, dass die Verbreitung von synthetischen Cannabinoiden in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat. Zwar halten sich die Todesfälle bislang zum Glück noch in Grenzen. Es werden allerdings für gewöhnlich nicht die Fälle erfasst, bei denen Konsumenten zwar nicht gestorben sind, aber dennoch vielleicht schwerwiegende Folgen davongetragen haben. Synthetische Cannabinoide sind weder sichtbar noch verfügen sie über einen Geruch oder Geschmack. Dementsprechend kann kein Konsument feststellen, was er da eigentlich konsumieren möchte.

In der letzten Zeit gibt es zudem aber auch noch ein neues Phänomen. Häufig werden jetzt wirkstoffarme Cannabissorten mit synthetischen Cannabinoiden behandelt. Dadurch soll vorgetäuscht werden, dass es sich um normales Gras handelt. Experten schätzen, dass es sich beim genutzten Hanf um Industriehanf handelt oder um CBD Hanf. In beiden Sorten ist die Konzentration an THC zu gering, um einen Rausch hervorzurufen. Dieser Rausch kann allerdings erzeugt werden, wenn der Hanf mit synthetischen Cannabinoiden besprüht wird. Wer trotz aller Risiken dennoch nicht auf den Konsum von Cannabis verzichten möchte, sollte auf jeden Fall sofort ärztliche Hilfe suchen, wenn der Rausch viel heftiger ist als gewohnt oder andere Nebeneffekte auftreten, die der Konsument sonst nicht hat. Dann ist es durchaus möglich, dass synthetische Cannabinoide dafür verantwortlich sind.

Synthetische Cannabinoide – von der medizinischen Hoffnung zum Rauschmittel

Die pharmakologische Forschung hat große Hoffnungen in die Entwicklung von verschiedenen synthetischen Cannabinoiden gesetzt. Sie sollten genutzt werden, um unterschiedliche Erkrankungen behandeln zu können. Die Intention war auch sehr gut, schließlich ist mittlerweile bekannt, dass es durchaus Cannabinoide gibt, die sich positiv auf verschiedene Erkrankungen oder Symptome auswirken können. Ein gutes Beispiel dafür ist CBD. Bei einigen schweren Erkrankungen konnten auch Studien mit THC zeigen, dass dieses Cannabinoid ebenfalls eine positive Wirkung haben kann. In diesen Fällen könnten synthetische Cannabinoide gute Ergebnisse zeigen, da sie genau dosierbar sind. Allerdings haben illegale Labore dafür gesorgt, dass aus einer medizinischen Hoffnung für viele Erkrankte jetzt ein weiteres Rauschmittel geworden ist, das eine große Gefahr darstellen kann. Während Forscher und Mediziner in der Lage sind, genau einschätzen zu können, welche Dosis für Patienten als sicher gilt und die gewünschte Wirkung hervorrufen kann, werden synthetische Cannabinoide, die für illegale Cannabisprodukte genutzt werden, einfach wahllos aufgesprüht oder zugemischt. Die möglicherweise fatalen Folgen sind den Herstellern und den Verkäufern absolut egal. Eine bedauernswerte Entwicklung, die aber auch von den Konsumenten unterstützt wird, die einfach nicht auf den Rausch verzichten möchten und dafür auch Risiken in Kauf nehmen.

Viele sehen dies aber auch als weiteres Argument für die Freigabe von Cannabis. Dann ist es möglich, in Shops oder Apotheken Cannabis anzubieten, das aus kontrolliertem Anbau stammt und nicht mit synthetischen Cannabinoiden versetzt wurde. Das gibt den Konsumenten Sicherheit und schwere Folgen und Nebenwirkungen können verhindert werden. Generell sollte auf den Konsum von synthetischen Cannabinoiden verzichtet werden, da sie weitaus mehr Risiken bergen als herkömmliches THC.

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