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Tetrahydrocannabiphorol (THCP)

Lesezeit: 4 Minuten (717 Wörter)

Die Cannabispflanze steckt voller Überraschungen. War sie früher eher als Droge bekannt, entdecken die Forscher heute immer mehr ihrer positiven Eigenschaften. Besonders interessant sind die in der Pflanze enthaltenen Cannabinoide. Zu den bekanntesten gehören THC und CBD. Es gibt aber noch weitaus mehr dieser Cannabinoide, weit über 100 sind in der Hanfpflanze enthalten. Allerdings konnten bis heute nur sehr wenige davon identifiziert werden. Im Jahr 2019 gelang es italienischen Forschern, ein Cannabinoid zu isolieren, das ganz besonders interessant ist: das Tetrahydrocannabiphorol, kurz THCP.

Tetrahydrocannabiphorol – diese chemische Struktur weist es auf

Von der Struktur her ähnelt das THCP dem bekannten THC, es teilt dessen chemische Struktur. Durch diese Struktur ist es THC möglich, sich an den CB1-Rezeptor des körpereigenen Endocannabinoid-Systems zu binden und diesen zu aktivieren. Damit sich ein Cannabinoid an diesen Rezeptor binden kann, muss es eine Voraussetzung erfüllen: Es muss in seiner Struktur (Alkylseitenkette) über mindestens drei Kohlenstoffringe verfügen. Das ist beim THC der Fall, genau gesagt trägt dieses Cannabinoid fünf Kohlenstoffringe.

Laut den Forschern hat das neu entdeckte Cannabinoid THCP zwei Kohlenstoffringe mehr, verfügt also über sieben davon. Um perfekt an den Rezeptor zu passen und somit die stärkste Wirkung hervorrufen zu können, sind acht Kohlenstoffringe notwendig. Das bedeutet, dass das neue Cannabinoid Tetrahydrocannabiphorol sehr nah daran herankommt. Das ist etwas Besonderes, denn bislang konnte eine Verbindung mit dieser Eigenschaft noch nicht in der Natur gefunden werden.

Grundsätzlich scheint die Affinität des THCP mit dem CB1-Rezeptor rund 30-mal höher zu sein als es beim THC der Fall ist. Es ist in der Lage, sich besonders leicht an den Rezeptor zu binden. Bislang gehen die Forscher davon aus, dass das THCP aus diesem Grund ein sehr großes psychoaktives Potenzial haben könnte. Somit könnte der Rausch, der durch TCHP ausgelöst werden kann, um ein Vielfaches stärker sein als beim THC.

Die Wirkung von Tetrahydrocannabiphorol (THCP)

Über die Wirkungsweise von THCP ist bislang noch nicht allzu viel bekannt. Einige Versuche an Mäusen brachten aber bereits erste Erkenntnisse.1 So konnten die Forscher feststellen, dass die Körpertemperatur durch THCP gesenkt wurde. Zudem verlangsamten sich die Bewegungen. Besonders interessant ist aber, dass sich auch die Reaktionen der Tiere auf Schmerzreize verringerten.

Um diese Wirkungen erzielen zu können, waren bereits geringe Dosen Tetrahydrocannabiphorol ausreichend. Soll der gleiche Effekt mit THC ausgelöst werden, muss dafür die doppelte Dosis genutzt werden. Die Forscher kamen zum Schluss, dass THCP wahrscheinlich eine weitaus stärkere Wirkung hat als THC. Das könnte interessant sein für die Behandlung von chronischen Schmerzzuständen. Bereits eine sehr kleine Dosis könnte ausreichen, um diese Schmerzzustände zu verringern.

Unklar sind sich die Wissenschaftler allerdings noch darüber, ob THCP die gleiche psychoaktive Wirkung aufweist wie THC. Es ist durchaus möglich, dass dies der Fall ist. Ebenso kann es aber auch sein, dass THCP eine weitaus stärkere psychoaktive Wirkung als THC hat oder vielleicht sogar gar keine.

Bislang wurde das neue Cannabinoid lediglich in Tierversuchen erforscht. Es wurde noch nicht am Menschen getestet. Demnach ist unklar, ob die Laborergebnisse auf den Menschen übertragen werden können.

Die Wissenschaftler haben aber die Theorie aufgestellt, dass THCP der Grund dafür sein könnte, warum verschiedene Cannabis-Strains unterschiedlich starke Wirkungen haben. Häufig ist das bei besonders potenten Sorten der Fall. Nur der THC-Gehalt reichte bislang nicht aus, um diese Unterschiede zu erklären.

Durch die Entdeckung des neuen Cannabinoids kann erklärt werden, warum es einige Sorten gibt, die zwar einen sehr geringen Anteil an THC aufweisen, aber dennoch sehr stark psychoaktiv wirken. Die Forscher sind sich sicher, dass dafür andere Cannabinoide verantwortlich sein müssen, beispielsweise das THCP.

Tetrahydrocannabiphorol – vielleicht eine neue Hoffnung im medizinischen Bereich

Welche therapeutischen Eigenschaften das Tetrahydrocannabiphorol (THCP) wirklich hat, wird derzeit noch untersucht. Die Erwartungen daran sind aber bereits jetzt sehr hoch. Aufgrund der Studie, die in Italien durchgeführt wurde, ist das Interesse der Medizin am THCP auf jeden Fall geweckt. Die Studie belegt, dass THCP bei Mäusen die gleichen analgetischen Wirkungen zeigte wie THC, allerdings bei nur der Hälfte der Dosis des THCs. Das sollte Grund genug sein, in diese Richtung weiter zu forschen und herauszufinden, ob THCP vielleicht im medizinischen Bereich zur Anwendung kommen könnte. Potenzial dafür scheint das Cannabinoid auf jeden Fall zu haben.

Quellen

1 Citti, Cinzia et al. “A novel phytocannabinoid isolated from Cannabis sativa L. with an in vivo cannabimimetic activity higher than Δ9-tetrahydrocannabinol: Δ9-Tetrahydrocannabiphorol.” Scientific reports vol. 9,1 20335. 30 Dec. 2019.
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